2014/2015: Tabus

Dr.in Eva Zeglovits: Tabus in der Österreichischen Politik

FR protokoll 20150520 240,1 KiB

Zusammenfassung

Nicht alles, was in der Politik Tabu genannt wird, ist ein Tabu. Das große Tabu der Österreichischen Vergangenheitsbewältigung scheint heute jedenfalls gebrochen. Ob die Zusammenarbeit mit der FPÖ unter Jörg Haider ein Tabu war, ist fraglich. Tabu wird oft genannt, was nicht politisch korrekt ist oder der Mehrheitsmeinung widerspricht.

Mag.a Margit Appel und Mag.a Julia Hofmann: Tabus rund ums Geld

FR protokoll 20150415 246,3 KiB

Zusammenfassung

Sowohl die Armutsforschung als auch die Reichtumsforschung beschäftigen sich mit der ungleichen Verteilung von Wohlstand. Diese Ungleichheit betrifft zwar Frauen in besonderem Maße, allerdings ist die Zuschreibung, Armut sei weiblich, problematisch – sie fördert weder Politisierung noch Solidarisierung, sondern schreibt herrschende Verhältnisse als gleichsam biologistisch determiniert fest. Angemessener ist es, auf ausgrenzende Mechanismen hinzuweisen und die Konsequenzen ungleicher Verteilung zu thematisieren.

Dr. Ursula Baatz: Kulturelle Bedingtheit von Tabus

FR protokoll 20150318 51,0 KiB

Zusammenfassung

Religiös-kulturelle Tabus erklären sich oft aus einem Verständnis von Reinheit versus Unreinheit, so z. B. Reinigungsrituale und Speisevorschriften. Ein anderes Feld religiös-kultureller Tabus sind Bekleidungsvorschriften, die historisch betrachtet auf Klassenunterschiede zurückgehen. Die Rolle der Frau in den christlichen Kirchen hat sich seit dem Urchristentum sehr verändert, anfangs spielten Frauen eine, für die damalige Gesellschaft sehr prominente Rolle.

Die Forderung nach Trennung von Religion und Staat ist historisch betrachtet noch sehr jung, das Jahrtausende lange, enge Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht ist bis heute spürbar. Die zunehmende Vielfalt religiöser Gemeinschaften verlangt einen respektvollen Diskurs und das Bemühen um wechselseitiges Verstehen.

Renate Welsh-Rabady: Gemeinsames Nachdenken über unsere Tabus

FR protokoll 20150218 227,0 KiB

Dr. Ulrike Felt: Forschung im tabufreien Raum

FR protokoll 20150121 46,8 KiB

Zusammenfassung

Es gibt keinen tabufreien Raum – dies gilt auch für die Wissenschaft. Tabus der Wissensproduktion betreffen vor allem die Qualitätssicherung, den Einfluss von Förder-gebern, Fragen der Verantwortung und den Umgang mit Grauzonen. Forschungsgebiete selbst sind dann tabu, wenn sie allgemein anerkanntes Wissen in Frage stellen oder breite gesellschaftliche Ablehnung erfahren. Aber ein Tabu kann nicht nur hinderlich, sondern auch innovationsfördernd wirken, indem es die Suche nach Alternativen forciert. Auch ein gezielter Tabubruch kann Innovationsraum eröffnen oder gewünschte Aufmerksamkeit auf ein Forschungsgebiet lenken.

Mag. Dr. Andrea Braidt: Tabubruch als künstlerische Grenzüberschreitung

FR protokoll 20141119 45,3 KiB

Zusammenfassung

Grenzüberschreitungen machen Grenzen erkennbar, diskutierbar und letztlich überwindbar, wie am Beispiel der Geschlechtergrenze gezeigt werden kann. Judith Butler  hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragen der Geschlechtsidentität wesentlich geprägt, indem sie Geschlechtsidentität nicht als feste Identität, sondern als Konstrukt erkannte, als Identität, die nicht beschrieben, sondern zugeschrieben wird.

Zwei aktuelle Beispiele für Tabubrüche an der Geschlechtergrenze liefern Conchita Wurst / Tom Neuwirth und Jakob Lena Knebl, die auf unterschiedliche Art und Weise zur Auseinandersetzung mit Rollenstereotypen herausfordern. Sie zeigen, welche Irritationen derartige Grenzüberschreitungen auslösen, aber auch welche emanzipatorische Kraft ihnen innewohnt.

Dr. Doris Pfabigan: Tabus rund um das Lebensende

FR protokoll 20141016 50,5 KiB

Zusammenfassung

Als Folge des modernen, westlichen Menschenbildes werden Lebensprozesse der wissenschaftlichen, medizinisch-technischen Deutungsmacht unterworfen, eine Distanzierung vom Sterben und vom Tod ist die Folge. Medial ist der Tod zwar allgegenwärtig, real verbannen wir Sterbende jedoch hinter die Kulissen der Gesellschaft. Einige heikle Themen rund um das Sterben werden folgend behandelt: das Konzept des Hirntods, auch als Voraussetzung für die Transplantationsmedizin, das Phänomen des sozialen Sterbens, Sterbehilfe und geriatrische Langzeitpflege, sowie Palliativmedizin und Hospizbewegung.

Mag. Inge Scholz-Strasser: Tabu. Einführung in das Jahresthema 2014/2015

FR protokoll 20140910 61,6 KiB

Zusammenfassung

Tabus sind archaische gesellschaftliche Regelungen, sie bestimmen das Verhalten von Menschen auf elementare Weise. Tabus sind ambivalent und bezeichnen Heiliges, Unberührbares und Unheimliches. Tabus gelten strikt, unhinterfragt, bedingungslos und universell, entziehen sich rationaler Begründung oder Kritik. Der Bruch eines Tabus betrifft nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern die gesamte Gruppe, für die es gilt. Tabus sind zu unterscheiden von gesetzlichen Regelungen, religiösen Vorschriften, Sitten und Gebräuchen, die zwar von Tabus ausgehen können, aber im Gegensatz dazu veränderlich sind.

Das Wort Tabu stammt aus dem polynesischen Sprachraum und den dort angesiedelten Stammesgesellschaften. Es wurde im 18. Jahrhundert durch Entdeckungsreisende nach Europa gebracht. Freud meinte, dass „das Tabu der Wilden Polynesiens doch nicht so weit von uns abliegt, wie wir zuerst glauben wollten“. Er postulierte, dass Mord und Inzest die stärksten Gelüste des Menschen seien und dass der Prozess der Trieb¬beherrschung zum Herausbilden von Ge- und Verboten führe – im weitesten Sinne zu den Grund¬lagen unserer Kultur. Hinweise auf diese Entwicklung finden sich in den Gründungsmythen vieler Gesellschaften.