2007/2008: Migration

Frau Mag.a Sandra Frauenberger: Integration- und Diversitätspolitik - der Wiener Weg, unter dem Gesichtpunkt der spezifischen Situation und Bedürfnislagen von Migrantinnen

FR protokoll 20080514 190,5 KiB

Zusammenfassung

Wien ist eine Ein- und Zuwanderungsstadt mit ca. 30% MigrantInnen. Das Integrations-konzept der Stadt Wien baut auf dem Bekenntnis auf, Integration, Zuwanderung als Chance zu sehen. Die Maßnahmen beinhalten strukturelle Änderungen sowie Unterstützungs- und Begleitungsangebote für MigrantInnen beim Spracherwerb, Zugang zum Arbeitmarkt sowie beim Aufbau nachbarschaftlicher Kontakte. Integrationsmaßnahmen betreffen aber auch die Mehrheitsgesellschaft – ein wesentliches Ziel ist der Abbau von Vorurteilen und Fremden-feindlichkeit. MigrantInnen wird in Wien vieles geboten, erwartet wird von ihnen unter anderem, den Wert von Bildung und Frauenrechten anzuerkennen. Alle Frauen sollen die Möglichkeit haben, sicher und selbständig in Wien zu leben.

Margit Hauft: Frauen fördern heißt FortSCHRITTE machen

FR protokoll 20080416 147,2 KiB

Zusammenfassung

Die Katholische Frauenbewegung unterstützt mit Hilfe der Aktion Familienfasttag Projekte, die dem Empowerment von Frauen in Indien und anderen Ländern dienen und setzt dabei bewusst auf eine Strategie der kleinen Schritte. Die beteiligten Frauen werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern vor allem ermutigt, bestehende Rechte einzufordern und vorhandene Chancen zu ergreifen. Ein wichtige Form des Empowerment sind Selbsthilfegruppen. Die Erfolge dieser Projekte sind beachtlich.

Organisatorisch kooperiert die kfbö dabei mit NGOs vor Ort, viele dieser Projektpartnerschaften bestehen seit Jahren. Diese Kontinuität schafft Vertrauen und ist ein Ausdruck von Wertschätzung und Solidarität.

Susanne Krucsay und Ingrid Elmadfa: Migration und Medienbilder

FR protokoll 20080220 201,9 KiB

Zusammenfassung

Medien sind gestaltete Wirklichkeiten, aus der Reflexion über sie erhält man Informationen über die Gesellschaft, in der das Medium entstanden ist. Jede/r sieht ihren/seinen eigenen Film, mit jeweils eigenen, unterschiedlichen Identifikationen, es gibt keine „richtige“ Sichtweise. Dennoch lösen Medien oft einen Streit über ihre Bedeutung aus.

Gezeigt wurden der Dokumentarfilm „Das Arrangement“ sowie ein Ausschnitt aus dem Spielfilm „Wut“.

Irene Brickner: Fremdenrecht ohne Zukunftschance UND Dr. Ingrid Nowotny: Migranten - Menschen oder Wirtschaftsfaktor?

FR protokoll 20080116 164,3 KiB

Zusammenfassung

Die beiden Referentinnen stellten ihre, teilweise unterschiedliche Sicht auf das Fremdenrecht und die Asylpolitik Österreichs vor:

Irene Brickner kritisiert, dass die Regelung der Zuwanderung in Österreich derzeit der Polizei und dem Arbeitsmarkt überlassen wird. Zuwanderung verändert die Gesellschaft als Ganzes, daher sollten sich auch alle Gesellschaftsbereiche damit befassen. Viele geltende Regelungen sind angesichts der globalen Migrationsentwicklung fragwürdig, so zum Beispiel die strikte Unterscheidung von Asylsuchenden und anderen Zuwanderern. Gesetzliche Härten führen oft zu inhumanen Entscheidungen und lösen keine Probleme. Eine Angst vor der Migration ist unbegründet - Österreich hat von seinen Zuwanderern bisher viel profitiert und wird weiterhin profitieren. Das zu vermitteln ist eine politische Aufgabe, das Thema sollte nicht den Populisten überlassen werden.

Auch Ingrid Nowotny sieht Migration als Herausforderung für alle Gesellschaftsbereiche. Sie plädiert aber dafür, die unterschiedlichen Regelungen für AsylwerberInnen und für andere ImmigrantInnen zu erhalten. Nur so können Flüchtlinge unabhängig von ihrer Qualifikation Schutz vor Verfolgung finden. Eine stärkere Öffnung des Arbeitsmarktes für Zuwanderer würde ihrer Meinung nach vor allem jenen Menschen mit Migrationshintergrund schaden, die schon derzeit Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Sie sieht die österreichische Migrationspolitik im internationalen Vergleich durchaus beachtenswert: Österreich hat innerhalb der EU den höchsten Anteil an Menschen aus nicht-EU-Ländern bezogen auf die Gesamtbevölkerung und sowohl beim Familiennachzug als auch bei der Einbürgerungsrate liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Univ.-Doz. Mag. Dr. Gudrun Biffl: Migrationen sind ein integraler Bestandteil der Globalisierung

FR protokoll 20071128 92,5 KiB

Zusammenfassung

Weltweit ist die Migration in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen, derzeit sind ca. 200 Mio. Menschen pro Jahr unterwegs, das sind mehr als doppelt so viele wie 1960. Migration hat unterschiedliche Gründe, z.B. wirtschaftliche (Nachfrage nach Arbeitskräften), soziale (Familienzusammenführung, Kettenwanderung) und humanitäre (Flucht vor Katastrophen, Verfolgung, Armut, Unfreiheit). Global sind nur 1,6% aller MigrantInnen Flüchtlinge, aber in Europa sind es 34% der MigrantInnen. Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Flüchtlingsströme rückläufig. Die Entscheidung über die Zuwanderungspolitik eines Landes ist eine strategische politische Aufgabe. Die einzige nachweisbare Gemeinsamkeit von Ländern mit einer restriktiven Zuwanderungspolitik ist das Vorhandensein einer extremen rechten Partei. Das Zuwanderungsmodell Österreichs wurde durch das Einwanderungsgesetz 1992 grundlegend verändert, das einen Paradigmenwechsel von der Arbeitsmigration hin zu Familienzusammenführung und Flüchtlingsaufnahme brachte.

Dr. Karin Kneissl: Religion als Heimat: Jugend grenzt sich im Namen Gottes ab

FR protokoll 20071017 157,0 KiB

Zusammenfassung

Alle drei großen, monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – zeigen einen Trend hin zu national-religiösen Bewegungen, positionieren sich stärker politisch als noch vor einigen Jahrzehnten. Dabei ist die Demagogie radikal-religiöser Gruppen oft recht ähnlich. Die „neue Religiosität“ vor allem junger Menschen hat viele Gründe: Reaktion auf die Globalisierung, Identität stiftend nach Migration – es geht nicht (nur) um Spiritualität. Eine Rolle spielt auch die unterschiedliche Geschichte von Integration und Religion in Okzident und Orient: Die erbitterten Religionskriege in Europa haben letztlich zur Aufklärung, zur Trennung von Kirche und Staat geführt, die heute gefährdet scheint. Es gibt keinen „Kampf der Kulturen“ – wohl aber ein Aufeinanderprallen von Fundamentalisten unterschiedlicher Konfession. Die Radikalisierung zeigt sich bei jeder Religion am Umgang mit den Fragen: Wer hat die Macht der Interpretation religiöser Schriften? Ist eine historische Textkritik zulässig? Welchen Stellenwert haben Universalismus und Humanismus?

Religion wird zur ideologischen Ersatzheimat in der Diaspora. Ein aktuelles Phänomen in der muslimischen Welt, aber nicht nur dort.

Evi Lunger-Valentini: Migration als Folge und Teil historischer Entwicklung

FR protokoll 20070919 329,6 KiB

Zusammenfassung

Das westliche Tirol war ab dem 16. Jahrhundert überbevölkert und viele Familien lebten in großer Armut. Als Überlebensstrategie entstanden unterschiedliche Formen von Migration:  Von der Saison- und Wanderarbeit (nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern, den sogenannten „Schwabenkinder“), über nichtsesshafte Lebensformen (Jenische oder Tiroler Zigeuner), bis zum Auswandern. Bevorzugte Ziele von EmigrantInnen aus Landeck waren in Nordamerika Chicago und in Südamerika Peru. Mit zunehmender Industrialisierung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch Zuwanderer ins Tiroler Oberland, als Bau- oder FabrikarbeiterInnen. Trotz der eigenen, wechselvollen Geschichte haben viele Einheimische bis heute Vorurteile gegenüber den Zuwanderern.