2005/2006: Frauen in der Forschung

Univ.-Prof. Dr.mont. Corinna Engelhardt-Nowitzki: Industrielogistrik

FR protokoll 20060517 116,3 KiB

Zusammenfassung

Die Logistik beschäftigt sich mit Versorgungs- und Wertschöpfungsketten. Eine typische logistische Kette geht vom Lieferanten über Einkauf, Produktion und Lieferung zum Kunden. Durch zunehmend komplexere Abläufe in der Industrie sind diese Ketten heute oft zu Netzen verbunden, auch durch zunehmenden Zeitdruck entstehen neue Herausforderungen. Zur Aufgabe von LogistikerInnen zählt es auch, „verdichtete Information“ als Grundlage für Entscheidungen in komplexen Systemen vorzubereiten. Dabei stellen sich ethische Fragen: Was sind die relevanten Zielgrößen? Welche Auswirkungen hat eine Entscheidung?

Wie jedes Werkzeug muss auch die Logistik verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Dr. Lottelis Moser: Nachwuchsförderung und Gender Mainstreaming / Gleichbehandlungsmaßnahmen in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

FR Protokoll 20060419 105,7 KiB

Zusammenfassung

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ÖAW spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs. Im Rahmen zahlreicher Programme werden Preise und Stipendien vergeben, die ForscherInnen bei der Weiterqualifikation unterstützen und ihre Karriere vorantreiben sollen.

Seit 2005 beschäftigt sich in der ÖAW ein Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen mit Fragen der Frauenförderung und Gender Mainstreaming. Die Bewusstseinsbildung für dieses Thema ist sehr wichtig. In der Gelehrtengesellschaft der ÖAW sind nur sehr wenige Frauen Mitglieder, hier besteht großer Nachholbedarf. In den Forschungseinrichtungen der ÖAW sind für die Frauenförderung vor allem qualitative Verbesserungen notwendig. Im Rahmen der Nachwuchsförderung sind generell zu wenig Mittel vorhanden; bei der Vergabe werden bereits einige Aspekte der Frauenförderung beachtet (z.B. flexiblere Altersgrenzen, Teilzeitstipendien) und mit dem Programm DOC-FFORTE besteht ein eigenes Förder¬programm für Dissertantinnen.

Mag. Beate Koller: Was können wir für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt tun?

FR protokoll 20060315 92,1 KiB

Zusammenfassung

Die Arche Noah ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Kulturpflanzenvielfalt einsetzt: Kulturpflanzen sollen nicht nur erhalten werden, sondern auch in Zukunft im Anbau eine Rolle spielen, damit neue Vielfalt entstehen kann.
Im 20. Jahrhundert sind nach einer Schätzung der WHO 75 % der genetischen Diversität landwirtschaftlich genutzter Pflanzen verloren gegangen. Die Hauptursachen dafür sind die Verdrängung durch andere Kulturpflanzen, politische Rahmenbedingungen zu Gunsten von Hochleistungssorten, Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise und auch veränderte Lebens- und Essgewohnheiten.

Die grüne Gentechnik ist aus der Sicht der Kulturpflanzenvielfalt problematisch, weil es praktisch kaum durchführbar scheint, traditionelle Kulturpflanzen neben gentechnisch veränderten Pflanzen zu bewahren.

Die Kulturpflanzenvielfalt sorgt für die Anpassungsfähigkeit der Kulturpflanzen an künftige Veränderungen, für umweltschonende Landwirtschaft, für vielfältige und gesunde Ernährung und nicht zu letzt für Genuss.

Der österreichische Frauenrat spielt DECIDE – eine Aktivität des neu gegründeten Science Center Netzwerks

FR protokoll 20060215 77,1 KiB

Zusammenfassung

Am 15. Februar 2006 wurde im österreichischen Frauenrat gespielt: DECIDE nennt sich ein EU-Projekt, das strukturierte Diskussionen in Form von Brettspielen zu sechs aktuellen wissenschaftlichen Themen anregt. Der österreichische Projektpartner von DECIDE ist der neu gegründete Verein Science Center Netzwerk – Margit Fischer ist Initiatorin und Obfrau dieses Vereins.

Prof. Dr. Christine Mannhalter: Molekularbiologie in der Medizin – TEIL 2

FR protokoll 20060118 201,7 KiB

Zusammenfassung

Zwei der Anwendungsbereiche von Gentechnik in der Medizin sind die molekulare Diagnostik und die Gentherapie:
Die molekulare Diagnostik kann an allen Körperzellen mit Zellkern vorgenommen werden und ist von äußeren Faktoren (z.B. Ernährung, Medikamenten) unabhängig. Ein Beispiel ist der Test des Erbguts auf Mutationen, die die Blutgerinnung beeinflussen: Faktor V Leiden und Prothrombin-Mutation. Beide sind in der weißen Bevölkerung relativ häufig und erhöhen das Thrombose-Risiko der  Mutationsträger. Das Ausmaß der Risikoerhöhung ist statistisch klar belegt. Für die Einzelperson kann die Risikoerhöhung aber von der statistischen Berechnung abweichen, da zahlreiche externe Faktoren das Risiko negativ (z.B. Pille, Hormoner-satztherapie, Immobilisation) oder positiv (Bewegung) modulieren können. Durch den Verzicht auf externe Risiko-Faktoren können Betroffene ihr Thrombose-Risiko senken. Neben den beiden genannten Mutationen spielen noch viele andere Veränderungen eine Rolle bei der Thromboseentstehung. Zahlreiche dieser Mutationen können heute mit verschiedenen Testverfahren analysiert werden. Die Auswertung der gewonnenen Analyseergebnisse und die Bewertung der klinischen Relevanz stellen aber  ein schwieriges Problem dar.

In der Therapie kommt Gentechnik einerseits bei der Herstellung von Wirksubstanzen (z.B. Impfstoffen) zum Einsatz, andererseits bei der gezielten Therapie zur Behandlung genetischer Defekte. Durch Gentherapie wird derzeit immer ein zusätzliches intaktes Gen eingeschleust, es ist heute nicht möglich ein defektes Gen zu ersetzen oder zu korrigieren. Deshalb können nur rezessive genetische Veränderungen behandelt werden, weil das kranke Gen ja im Genom verbleibt. Das zusätzliche Gen muss in den Zellkern gebracht werden, dazu werden Hilfsmittel, so genannte Vektoren eingesetzt – bisher wurden vor allem Viren als Vektoren verwendet. Derzeit wird intensiv an neuen, verbesserten Vektoren (z.B. Lipidpartikel) gearbeitet, weil die vorliegenden Ergebnisse der bisherigen Anwendungen teilweise enttäuschend waren. Neu und viel versprechend sind gentechnische Verfahren, die mittels einer speziellen RNA, der sogenannten siRNA, die RNA von Tumorgewebe zerstören und dadurch die Zellteilung des Tumorgewebes blockieren.

Prof. Dr. Christine Mannhalter: Molekularbiologie in der Medizin

FR Protokoll 20051116 139,3 KiB

Zusammenfassung

Die medizinische Molekularbiologie beschäftigt sich mit den genetischen Ursachen von Krankheiten. Es geht darum, die Entstehung von Krankheiten besser zu verstehen und in Folge neue Therapien zu entwickeln.
Ein Forschungsschwerpunkt sind Krebserkrankungen: Krebs ist immer mit genetischen Veränderungen verbunden. Dabei ist zwischen erblichen Veränderungen in allen Körperzellen und erworbenen Veränderungen nur im betroffenen Gewebe zu unterscheiden.

Selbst ein ererbtes Krebsrisiko muss nicht automatisch zu einer Erkrankung führen, am Ausbruch einer Krebserkrankung sind zahlreiche Faktoren beteiligt.

Die Gendiagnostik sucht nach Veränderungen im Erbgut, beispielsweise nach Translokationen – das sind Positionsänderungen innerhalb der Chromosomen, die z.B. bei Leukämie häufig sind.

Die ‚klassischen’ Erbkrankheiten, wie z.B. Hämophilie oder Cystische Fibrose, sind monogenetische Erkrankungen, das heißt ein einzelnes, ganz bestimmtes Gen ist verändert; diese Krankheiten sind relativ selten.

Aber auch häufige Krankheiten der westlichen Welt, beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, werden molekularbiologisch erforscht. Zum Beispiel haben ca.5% der weißen Bevölkerung eine genetische Veränderung namens Faktor V Leiden, die für einen Fehler bei der Blutgerinnung und damit für ein erhöhtes Thromboserisiko verantwortlich ist.

Humangenetische Untersuchungen sind in Österreich nur nach ärztlicher Zuweisung möglich und verpflichtend mit ärztlicher Beratung vor und nach der Untersuchung verbunden.

Prof. Dr. Marianne Popp: Gentechnik und Global Change

FR Protokoll 20051019 206,1 KiB

Zusammenfassung

‚Global Change’ – der Klimawandel – ist wissenschaftlich nachweisbar, ebenso die Ursache dafür: Durch den hohen globalen Energieverbrauch, vor allem fossiler Brennstoffe, steigt die Konzentration von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre. Dadurch sinkt die Abstrahlung von Sonnenenergie, es kommt zu einer globalen Erwärmung und anderen klimatischen Veränderungen –  z. B. Veränderungen der Niederschläge, und in weiterer Folge zu Vegetationsveränderungen.

Ein möglicher Ansatzpunkt diesem Prozess entgegen zu steuern ist die Nahrungsmittel-produktion: Unsere intensive Landwirtschaft verbraucht viel Energie, zum Beispiel stammt der Energieinhalt von einem Kilogramm Kartoffeln nur zu 38 % aus der Photosynthese der Pflanzen, 62 % werden in der intensiven Landwirtschaft durch fossile Brennstoffe aufgebracht (Dünger- und Spritzmittelproduktion, Transporte usw.).

Durch gentechnische Veränderungen könnte Energie in der Landwirtschaft gespart werden, z.B. könnten Mikroorganismen im Boden den Luftstickstoff für die Pflanzen verfügbar machen, dann könnte Stickstoffdünger eingespart werden, dessen Herstellung sehr viel Energie verbraucht. Die restriktive Haltung von Österreich gegenüber der Gentechnik in der Landwirtschaft verzögert Forschung und Entwicklung in diese Richtung.